Rezepte: Süsses ohne Zucker

Ebikon, 15. Februar 2018 – Wie sorgt man als Eltern dafür, dass die Kinder so wenig Zucker wie möglich konsumieren? Silvia Schmid, Mutter und Ernährungsberaterin TCM, gibt Antworten.

Zum Beispiel auf Fertiggerichte verzichten und Gummibärchen selber herstellen: die Tricks von Silvia Schmid, Mutter und Ernährungsberaterin TCM.

Kinder kriegt man wohl kaum dazu, freiwillig auf Zucker zu verzichten. Überall gibt es Grosseltern, KlassenkameradInnen und ja, auch als Eltern sind wir nicht immer besonders schlau und konsequent. Ausserdem kommt der Zucker immer so schön bunt verpackt daher – wenn er sich nicht gerade zum Beispiel in Frühstücksflocken, Chips und Wurst versteckt.

Wir fragen Silvia Schmid, Mutter und Ernährungsberaterin TCM sowie Dozentin bei uns an der Heilpraktikerschule Luzern.

 

Silvia, Zucker ist allgegenwärtig. Eigentlich hat man schon verloren, sowohl als Eltern wie auch als Kind. Wie siehst du das?

Ich würde das nicht ganz so eng sehen. Es gibt viele Alternativen. Wichtig ist, dass diese interessant verpackt angeboten werden und man nicht den Mut verliert, die guten Vorsätze umzusetzen. Das heisst aber auch, dass z.B. Fertiggerichte durch Selbstgemachtes ersetzt werden. Das kostet ein bisschen Zeit, macht aber vor allem in der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen Spass.

Die Freude an etwas Süssem ist ja eigentlich etwas Positives. So etwas Tolles wie einen Mandelgipfel oder so eine feine Schokolade müsste man ja eigentlich zu schätzen wissen. Vielleicht muss man diese Freude einfach besonders pflegen?

Das kommt dazu. Aber stell dir selbstgemachte Gummibärchen mit deinem Lieblings-Frucht-Aroma vor. Sie sind einfach herzustellen und gelingen immer. Nur enthalten Sie praktisch keinen Zucker, sind aber auch weniger lange haltbar.

Wie geht das?

Du nimmst deine Lieblingsfrucht, z.B. Mango oder Himbeeren, pürierst diese, gibst sie dann in ein Pfännchen und lässt sie heiss werden. Dann gibst Du etwas AgarAgar, das ist ein pflanzliches Algen-Geliermittel hinzu und lässt es kurz köcheln, eine Minute, maximal zwei. Danach füllst du die Masse in vorbereitete kleine Förmchen und lässt sie erkalten. So einfach kannst du gesunde Frucht-Gummies herstellen, die erst noch lecker schmecken.

Unter anderem bist du ja auch TCM-Ernährungsberaterin. Hast du da bestimmte Tipps, wie ich die Lust meiner Kinder auf Gummibärchen und Konsorten reduzieren kann?

Ich würde die Frucht-Gummis ausprobieren. Dann gibt es da noch die Möglichkeit, ein Fruchtleder herzustellen. Das sieht aus wie die sauren Gummibänder, ist jedoch aus Frucht pur, schmeckt erfrischend lecker und ist gut eine Woche haltbar.

Und wie mache ich diese Fruchtleder?

Hierzu brauchst du wieder reife Früchte, du pürierst sie und streichst die Masse auf ein Backpapier, etwa einen Zentimeter dick. Jetzt brauchst du das nur noch trocknen zu lassen, am besten in einem Dörrapparat. Im Backofen geht das auch. Je nach dem, wie biegsam die Fruchtleder sein sollen, lässt du sie fünf bis acht Stunden trocknen, bei etwa 50 Grad. Am besten klemmst du einen Kochlöffel in die Tür, damit die Feuchtigkeit abziehen kann. Danach schneidest du Streifen und rollst sie ein. Wirklich lecker, Zucker braucht es da wirklich nicht.

Welche Möglichkeiten, Zucker zu ersetzen, findest du sinnvoll? Und warum?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Zucker zu ersetzen. Als Erstes würde ich mir überlegen: Muss es gerade so süss sein? Wenn nicht, dann kann ich die Menge reduzieren und auch eine Alternative zum weissen Haushaltszucker verwenden, z.B. Vollrohrzucker oder Ahornsirup, Honig geht auch. Oder man kann auch leckere Speisen mit getrockneten Früchten zubereiten wie z.B. Datteln, getrockneten Aprikosen oder Rosinen.

Wie wichtig sind eigentlich die Farben, also dass Zuckersachen so schön bunt daherkommen? Vielleicht müssten gesunde Desserts auch so schön farbig sein?

Farben sind meiner Meinung nach sehr wichtig. Stell dir vor, du bekommst einen Teller mit frischen, bunten Früchten und Beeren serviert. Das macht doch richtig Appetit, die feinen Vitaminchen zu verputzen. Wenn frische Früchte, Beeren, Gemüse und Salate einen grossen Teil der Ernährung ausmachen, bringen nur schon die Farben und Vitamine Leben in den Körper. Auch bei Farbtherapien nutzt man ja die Farben, um z.B. die Stimmung aufzuhellen oder zu beruhigen.

Nutzt du Lebensmittelfarbe?

Nein. Oder besser gesagt: Nur die, die schon da sind, also die Farben der Natur. Das heisst, ich färbe manchmal die Dinkelspätzli mit frischen Kräutern oder getrockneten Tomaten.

Hast du ein, zwei Dessert-Rezepte, die maximal fein und minimal schlimm sind?

Kennst du die leckeren Seidentofu-Rezepte aus Ulrikes Buch? Die sind mehr als bloss maximal lecker und minimal schlimm, nämlich wirklich fein.

Seidentofu, was ist das?

Seidentofu ist eine quarkähnliche Masse aus Tofu. Sie wird ähnlich wie Tofu hergestellt, wird aber nicht gepresst, ist also cremig. Mit dieser Basis aus Soja können verschiedene Gerichte gezaubert werden. Kalorienarm, eiweissreich und vor allem eine echte Alternative zu Milchprodukten.

Welches Argument wählst du, wenn du Kindern erklärst, dass Zucker nicht gut ist? Karies, Übergewicht, Diabetes, metabolisches Syndrom, Sucht? Es scheint, vor allem das Übergewichts-Argument hat so seine Tücken. Übergewicht hat ja mit dem Aussehen zu tun, und das wird mit beginnender Pubertät ja immer wichtiger.

Ja, das ist tatsächlich eine heikle Angelegenheit. Das Thema Magersucht ist besonders bei jungen Frauen ein Thema. Hier versuche ich mit den positiven Argumenten zu arbeiten: z.B, dass die vielen Vitamine und Mineralstoffe das Hautbild verbessern, die Haare und Nägel stärken. Es erscheint mir sehr wichtig, mit richtigen Argumenten zu erklären und aufzuklären, was z.B. Fertigprodukte, Süssigkeiten und Energy-Drinks im Körper so anstellen können. So habe ich mit meinen Mädels zumindest eine gute Diskussionsbasis schaffen können, und diese Basis ist sehr viel wert.

Du kennst dich ja nicht nur als TCM-Diätistin in Nahrungsmitteln aus, sondern warst ja lange Zeit Product-Managerin in der Nahrungsmittelbranche?

Ich beschäftige mich seit ungefähr 20 Jahren mit dem Thema Ernährung. Ich habe mit verschiedenen Entwicklern der Nahrungsmittelindustrie zusammenarbeiten dürfen und so hinter die Kulissen der grossen Lebensmittel-Hersteller schauen dürfen. Durch die Ausbildung zur TCM-Therapeutin habe ich natürlich sehr viele Details zu den Nahrungsmitteln und deren Wirkung im menschlichen Körper gelernt. Durch meine Arbeit als Marketingplanerin, sprich Produktmanagerin im Lebensmittelbereich, konnte ich Details erfahren, die einem Kunden verschwiegen werden. Das ist in Beratungsgesprächen und auch im Unterricht immer wieder interessant einzubringen, z.B. in Kochen Basis. Ich bin dankbar, durfte ich an der Heilpraktikerschule Luzern diese Ausbildung und diesen Schritt zur Selbstständigkeit machen. Ich bin auch dankbar, dass mir so die Augen noch etwas mehr geöffnet wurden.

Danke, Silvia, für das Gespräch.

Alles klar, Martin. Übrigens, die Seidentofu-Desserts findest du in Ulrikes «Essenz aus der Küche», ab Seite 131, oder gleich hier online im Therapeutika Himbeercréme mit Seidentofu. Weitere Seidentofu-Rezepte findest du über das Suchfeld mit "Seidentofu".

 

Silvia Schmid

Silvia Schmid ist unter anderem dipl. Heilpraktikerin TCM und KomplementärTherapeutin mit eidg. Diplom in der Methode Shiatsu, Mutter von zwei Kindern. Silvia unterrichtet an der Heilpraktikerschule Luzern zum Beispiel Kochen Basis und mehr. Ihre Praxis hat Silvia in Hitzkirch: www.atelierregenbogen.ch

Unsere nächsten Ernährungskurse servieren wir hier.

Lesetipps

Marion Selzer, Raus aus der Zuckerfalle (Inspiriert-Sein-Verlag, 2016)
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/suchartikel/raus_aus_der_zuckerfalle/marion_selzer/EAN9783946026099/ID46112098.html

Sehr interessant ist auch der Blog der Familie Zuckerfrei
https://www.familiezuckerfrei.ch

https://www.heilpraktikerschule.ch/newsroom/news-detail/news/2018/02/15/rezepte-suesses-ohne-zucker