Sodbrennen – Rat und Tat

Ebikon, 9. November 2022 – Bald sind wieder Festtage da, und da kann es vorkommen, wegen all des Essens und Trinkens: Sodbrennen. Da hilft zum Beispiel die Kamille. Dozentin Sarah Föhn hat noch mehr Rat.

Foto von Kamillen, Foto: Pixabay

Kamille – als Bestandteil einer TCM- oder TEN-Tinktur, auch als Tee – hilft bei Sodbrennen, sogar bei Sodbrennen, das durch die Schwangerschaft verursacht ist. Es gibt weitere einfache Mittel, zum Beispiel ungeschälte Mandeln zu einem Brei kauen, schlucken. Das geht auch mit Leinsamen. Foto: Pixabay.

Sarah, aus TCM-Sicht, was ist Sodbrennen?

Das kann eine Magen-Qi-Stagnation durch Nahrungsstagnation sein. So kann sich Sodbrennen als ein mögliches Bild in der TCM zeigen. Die TCM sieht das bildlich von hitzig bis kalt ganz unterschiedlich. Das heisst in dem Fall, dass die Verdauungskraft geschwächt ist oder blockiert. Nahrungsstagnation kann sich auch Richtung Hitze entwickeln, das zu erklären, würde hier aber zu weit führen. Da ist Aufstossen mit übel riechendem Geruch ein Symptom. Auch dass ein leerer Magen besser ist als ein voller, die Beschwerden also nach dem Essen stärker sind. Und es besser wird mit Rülpsen.

Da darf man also rülpsen.

Ja, da darf man. Und was auch hilft, ist Wärme: gekochte Speisen, wärmende Gewürze. Nur wenig Rohkost, lieber keine. Es ist ja wieder Suppenzeit. Wärme stärkt die Mitte, die Verdauung. Dann gibt es noch den Hitzetyp.

Wie zeichnet er sich aus?

Plötzlich sind Schmerzen da, akut. Säure kommt hoch, dazu Mundtrockenheit, ein bitterer Mundgeschmack und Durst können Zeichen sein. Als Hitzetyp mag man lieber kalte Getränke und ist eher unruhig. Hier helfen Nature-Joghurt, Kartoffelsaft, Heilerde.

Und aus Sicht der TEN, wie sieht es da mit Sodbrennen aus?

In der TEN sind meiner Ansicht nach ebenso Kälte und Hitze ursächlich. Hier spricht man dann von einem kalten, schlaffen Magen, wenn die Kälte die Ursache ist. Durch die Kälte verliert der Magen seinen Tonus. Der wird ja benötigt, um gut zu verdauen. Aber so bleibt die Nahrung zu lange liegen und kann so Aufstossen erzeugen. Oft kommt es nicht durch zu viel Säure, sondern durch zu wenig zum Aufstossen. Interessanterweise spricht die TEN ebenfalls von einer Milzschwäche, wenn der Magen zu kalt ist. Da kommt dann die schwarzgallige Schärfe ins Spiel, bei der Hitze ist es die gelbgallige. Symptome sind sehr ähnlich wie bei der TCM.

Du sagst, es sei interessant, dass auch die TEN von einer Milzschwäche spricht. Meinst du damit, dass beide Medizinalsystem, also TCM und TEN, von einer Milzschwäche sprechen?

Ganz genau, beide Denksysteme sprechen über die Milzschwäche, einfach mit anderen Worten. Die TEN spricht dann von zu viel Melanchole, also etwas ist zu kalt und zu trocken. Hier auf die Verdauungssäfte bezogen. Und die TCM sprich dann von der Milz-Qi Schwäche, die oft der Grund für ein stagnierendes Magen-Qi ist. Und wo etwas schwach ist, ist nicht mehr viel Bewegung vorhanden, das neigt zum Stagnieren.

Wie ist das eigentlich: Du kennst dich ja sowohl in der TCM wie auch in der TEN aus. Jetzt hast du da ein Phänomen, sagen wir Sodbrennen. Und du hast zwei komplett unterschiedliche Theorien. Das ist ja schon noch spannend. Ist da nicht manchmal die eine Theorie, manchmal die andere einleuchtender?

Du triffst den Nagel auf den Kopf. Genau, wenn man in einem Denksystem nicht weiterkommt, warum nicht mal in ein anderes hineinblicken? Dies ist nun vielleicht etwas provokativ. Denn es könnte ja auch so ausgelegt werden, dass man sich zu wenig in einem Fachgebiet auskennt und dann einfach rasch mal in ein anderes Denkmodell switcht. Ich glaube aber, es gehört einfach zur Faszination «Mensch und Gesundheit», dass man sich für unterschiedliche Systeme interessiert, zumindest für mich. Ich finde das immer spannend, wie es «die andere Seite» sieht. Ich hatte kürzlich mit einer Kinderärztin ein gutes Gespräch darüber und sie sagte genau das gleiche. Es ist, wie eine andere Brille aufzusetzen. Manchmal sieht man dann eine Fragestellung etwas schärfer, in einem anderen Licht. Und dieser Wechsel des Blickwinkels hilft wieder, im «eigenen» Denksystem weiterzukommen.

Sodbrennen ist ja auch in der Schwangerschaft Thema. Wie kommt es dazu?

Der wachsende Bauch drückt zum einen den Magen hoch oder von seiner üblichen Position weg. Zum anderen spielen die Hormone eine Rolle, sie machen alle Gewebe elastischer. Dies ist wichtig, um dem wachsenden Baby Platz zu machen, weniger toll ist es für die werdende Mama, dass sich so schwangerschaftstypische Beschwerden zeigen können. Unter anderem eben das Sodbrennen, dies entsteht nebst dem Platzmangel des Magens durch den nachlassenden Tonus des Speiseröhren-Schliessmuskels.

Muss man das einfach aushalten? Oder gibt es Mittel?

Es gibt Mittel. Während der Schwangerschaft geeignet sind Kamille, Melisse und Kümmel. Fenchel wird in der meisten Literatur als kontraindiziert eingeteilt. Die Pfefferminze kann in kleinen Mengen als Aufguss für Linderung sorgen. Bei einer hitzigen Schwangeren kann man Pfefferminztee runterkühlen, bis man Eiswürfel hat, diese dann wiederum langsam auftauen und espressolöffelweise einnehmen, das lindert die Beschwerden wunderbar. In der Schwangerschaft sollte allerdings auf das rein ätherische Pfefferminz-Öl verzichtet werden.

Pfefferminze soll ja eh gut sein?

Als Tee und oder Tinktur kühlt Pfefferminze die Leber und wärmt den Magen. Hier wird die „Sowohl als auch“-Wirkung der Pflanzen wieder mal schön sichtbar. Da sie den Tonus des Magen steigert, sollte sie aber nicht über Monate als Monodroge eingesetzt werden, um Magenreizungen und sogar verstärktes Aufstossen zu vermeiden.

Was lässt sich allgemein gegen Sodbrennen tun? Als ehemalige Drogistin hast du sicher den einen oder anderen Verkaufsschlager anzubieten: Rennie räumt den Magen auf? Riopan?

Ja, das sind tatsächlich die klassischen Mittel aus der Drogerie und Apotheke. Naturheilkundlich ausgerichtete Fachgeschäfte greifen aber zuerst zu besser verträglichen Alternativen wie Spagyrik oder Tinkturen. Kurkumakapseln haben inzwischen ihren festen Platz in den meisten Sortimenten, und die helfen bei einem kalten, schlaffen Magen sehr gut. Fachgeschäfte, die auch eine Reformabteilung haben, empfehlen dann oft auch noch passende Kost.

Ein paar Tipps?

Apfelessig mit Honig: Auf ein Glas Wasser einen Teelöffel Apfelessig und etwas Honig am besten morgens nüchtern einnehmen. Es gibt auch Apfelessige, die Honig gleich drin haben. Dies reguliert die ganze Säureproduktion für den Tag. Und es entschlackt, als positiver Nebeneffekt. Und: Haferschleim essen, abends nicht zu grosse Mahlzeiten. Auch kann man das Kopfteil vom Bett hochstellen oder auf der linken Seite schlafen, so kann es aus anatomischen Gründen zu keinem Rückfluss kommen, das sind weitere Tipps aus der Drogerie.

Haferschleim?

Ja, Porridge, das klingt auch besser: Haferflocken, Wasser, eventuell etwas Salz, eventuell Rosinen, alles köcheln bis zur gewünschten Breiigkeit. Es gibt aber einen Grund, warum es auch Haferschleim heisst, das ist nämlich die Steigerung: den Porridge durch ein Sieb streichen und nur den Schleim essen. Und nicht zu vergessen: Mandeln kauen. Etwa zehn ungeschälte Mandeln zu Brei kauen, die enthalten viele Mineralien, die alkalisch wirken und so auch überschüssige Säure neutralisieren. Das ist einfach, auch für unterwegs. Und Sauerkrautsaft bei zu wenig Säure oder Kartoffelsaft bei zu viel. Riopan und Konsorten neutralisieren einfach die überschüssige Säure. Langfristig sind die nicht geeignet, da die Ursache nicht behandelt wird. Zudem sollten aluminiumhaltige Antazida nur kurze Zeit eingenommen werden, da sie den Körper mit Schwermetallen belasten und eine neurotoxische Wirkung haben.

Aber die Mandeln, die Säfte, die Flocken et cetera, das alles löst das Problem ja auch nicht von der Ursache her? Für die Ursachenbehandlung muss ich in Therapie?

Jein, sie sind basisch wirkend. Lebensmittel, die basisch sind, sind schon mal ein Teil der Ursachenbeseitigung. Denn sie bringen schon mal viel weniger Säure in den Körper rein. Und der Körper hat durch die vielen Mineralstoffe in den basischen Lebensmitteln auch die Möglichkeit, überschüssige Säure, die bereits vorhanden ist, wieder loszuwerden. Die Schulmedizin hat da gar nicht viel anderes anzubieten. Sie verschreibt Säureblocker und empfiehlt Lebensstilanpassung. Das macht die Naturheilkunde sowieso. Hinzu kommen die ableitenden Verfahren, diese sind z.B. innerlich mit Kräutern gezielt Nieren und Leber anregen, äusserlich manuelle Lymphdrainage, Baunscheidtieren und trockenes Schröpfen.

Und wann muss ich mit Sodbrennen zur ÄrztIn?

Meine PatientInnen würde ich zum Arzt schicken, sobald die Beschwerden stärker werden und meine empfohlenen Massnahmen keine Verbesserung bringen. Und Folgendes hinzukommt: starke Magenschmerzen, Appetitlosigkeit oder plötzliche Abneigung gegen bestimmte Speisen wie Fleisch, häufige Übelkeit und Erbrechen, auch mit Blut, schwarzer Stuhlgang, das ist ein Hinweis auf Blut im Stuhl und allgemeine Abgeschlagenheit, Blässe mit Unwohlsein. Dann ist es ratsam, mal eine ÄrztIn aufzusuchen.

Was hältst du davon: Natron? Heilerde? Leinsamen-Aufguss?

Natron ist ein Hausmittel, das ab und zu in den Fachgeschäften verlangt wurde. Selber habe ich das nie so empfohlen. Natron neutralisiert einfach überschüssige Säure, aber da die Leute oft zu wenig haben, hilft dann das nur bedingt. Leinsamen würde ich eher kauen, einen Espressolöffel voll, bis sie ganz breiartig sind, wie Mandeln. Das dauert eine Weile, hilft aber, einen hitzigen Magen zu beruhigen. Wenn du sie kaust, kommen die schleimhautreizungsmildernden Inhaltsstoffe viel besser heraus als in einem Aufguss. Daher ist es wirklich besser, sie zu kauen. Heilerde ist natürlich auch was Tolles – hier verweise ich gerne auf den Artikel in der Schweizer Familie.

Gibt es auch Tinkturen? Welche Heilpflanzen spielen da die Hauptrolle?

Ja, natürlich gibt es die. Kamille ist ein gutes magenberuhigendes Kraut. Es kann sowohl bei Hitze- wie auch bei Kälte bedingtem Sodbrennen eingesetzt werden, als Aufguss oder Tinktur, da geht beides. Kümmel, Fenchel, Melisse, Liebstöckel und Wacholder sind wunderbar wärmende Pflanzen, die auch gut miteinander kombiniert werden können.

Und was ist mit der allseits beliebten Schafgarbe?

Ja, Bitterpflanzen sind ebenfalls eine passende Ergänzung. Schafgarbe, aber auch das Tausendgüldenkraut, Wermuth, gelber Enzian. Die Bitterstoffe regulieren die Magensäureproduktion und die Leber-Galle-Funktion, schlussendlich also die ganze Verdauung. Solche bitteren Kräuter werden gerne in der TEN verschrieben, zur besseren Ausleitung von Melanchole, also der Schwarzgalle. Bei hitzigen Sodbrennen eignen sich zudem kühlende, schleimstoffhaltige Heilpflanzen wie Eibischwurzel, isländisch Moos und Malve. Sie bilden einen Schutzfilm über die gereizte Magenschleimhaut.

Danke, Sarah, sehr spannend!

Aber ja, Martin.

Foto von Sarah Föhn, Dozentin an der Heilpraktikerschule Luzern

Sarah Föhn ist Drogistin EFZ, Heilpraktikerin der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde TEN, Dozentin und Co-Ressortleiterin TEN der Heilpraktikerschule Luzern; eigene Praxis: www.sanguimed.ch 

Das ist Sodbrennen

Zum einen kann es sein, dass der Schliessmuskel der Speiseröhre beim Magen nicht richtig schliesst, so kann Magensäure zurückfliessen, Reflux entsteht. Das kann auch durch eine Hernie, einen Bindegewebsbruch, entstehen und oft auch in der Schwangerschaft im letzten Drittel auftreten.

Es können auch Rauchen, Alkohol oder Nahrungsmittel einen Reflux verursachen. Dies sind zum Beispiel sehr scharf gewürzte, sehr saure oder süsse, sehr heisse oder kalte sowie sehr fettreiche Lebensmittel, vor allem stark erhitzte Fette. Da ist nicht unbedingt ein Zuviel an Magensäure vorhanden.

Zum anderen kann eine übermässige Magensäureproduktion Beschwerden auslösen, da die Säure die Schleimhaut reizt. Durch die Schleimhautreizung entsteht dann dieses typische Brenngefühl hinter dem Brustbein bis in den Hals hoch. Man sieht, beides ist möglich, ein Zuviel und eigentlich ein Zuwenig an Magensäure.

Die Magensäure ist sehr wichtig, aus naturheilkundlicher Sicht. Sie dient als Puffer für den Säure-Basen-Haushalt. Wenn wir die Magensäure auf Null runter schrauben, sind wir nicht automatisch basischer. Uns fehlt dann eigentlich die Säure, um effizient zu verdauen.

TCM und TEN und die Ausbildungen dazu

Beide betrachten den Menschen als Ganzes: die Traditionelle Europäische Naturheilkunde TEN und die Traditionelle Chinesische Medizin TCM. Und für beide gibt es seit 2015 Abschlüsse mit eidgenössischem Diplom, Voraussetzung ist ein Abschluss der Sekundarstufe II, also eine Berufslehre oder die Matura. Die Ausbildungen dauern drei bis fünf Jahre, sie lassen sich auch nebenberuflich absolvieren und werden durch Bundesbeiträge unterstützt.

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